Nach einer kurzfristigen Einladung seitens des Mercedes Experience Center war für uns klar, da müssen wir hin.

In kleinen Kreis starteten wir am Mittwoch, dem 7. Juli, und genossen bei angenehmem Wetter eine sehr reizvolle und entspannte Anreise über Wels, den Hohentauern, bis in die schöne Steiermark nach Graz.

In der Nähe des Mercedes G Experience Center wählten wir als Domizil die tolle Freizeitanlage Schwarzlsee mit Campingplatz und einem interessant gestalteten Badesee.

Am nächsten Morgen war leider ein zügiges Aufstehen unumgänglich, unser Zeitplan war eng getaktet, denn wir mussten vorher noch, ungeahnt einer eventuellen Warteschlange, die Auflage des EPC erfüllen, einen tagesaktuellen Test einzuholen.Pünktlich waren wir am Ziel.

Leichtes Herzklopfen machte sich bemerkbar, als sich vor uns das große Tor öffnete und wir mit unseren Gs einfahren durften. Unsere Parkplätze waren standesgemäß umringt mit allem, was das Herz begehrt. Landaulet, 6×6, 4×4², ganz viele G 63, neue 350er und 400er, einfach die ganze Modellpalette. Nebenbei bemerkt waren wir die beiden einzigen Teilnehmer, die mit dem eigenen G anreisten.

Nach einem sehr freundlichen Empfang im Hangar von Hr. Dr. Emmerich Schiller persönlich, einer kurzen Übersicht und Vorstellung des gesamten EPC, sowie einer präzisen technischen Einführung von Hr. Marc Sussner ging es auch bereits, mit zugegeben etwas feuchten Händen, zu den Fahrzeugen.

Es war ein Traum, jeder konnte sich einfach ein Fahrzeug gemäß seiner Wunschfarbe aussuchen.

Das Areal besteht im Wesentlichen aus drei Modulen. Hier findet sich der nachgebaute Schöckl-Wald mit all seinen Tücken, die Berge, genannt G-Rocks, mit all ihren Auf- und Abfahrten sowie jeglichem Untergrund, als auch die Piste, sprich der Straßen-orientierte Asphaltbereich.

Letztere ist den 63ern vorbehalten. Nun galt es nur noch schnell die zehn anwesenden Teilnehmer für die oben genannten Disziplinen in drei Gruppen aufzuteilen. Bei solchen Events stehe ich immer gerne vorne an, um ja nichts zu verpassen. In diesem Moment zog mich mein begleitender Spezi Thomas intuitiv und spontan zwei Schritte zurück, was ich in diesem Moment aufgrund meines Z

Unverständnisses mit einem bösen Blick quittierte.

Im Nachgang ein genialer Schachzug, aber dazu später mehr. 1234, 1234, 12… Wir waren die Letzten in der Reihe und stellten somit nur ein kleines Zweierteam.

Wir starteten mit der Komponente Fahrdynamik Straße. Zum Einfahren, als auch um mit dem Handling vertraut zu werden, absolvierten wir eingangs ein paar lockere und zunehmend schnellereRunden, um dann zur ersten Sektion „Schleuderplatte“ gebeten zu werden. Angesagt war, einfach nur galant um die Wassersäulen zu manövrieren. Unnachlässig unterstützt wurden wir dabei per Funk von den hoch motivierten und engagierten Instruktoren.

Im Komfort Modus erwies sich die Aufgabe noch als durchaus machbar, um anschließend im Sport Plus Programm, also ohne jegliche Assistenten und Helferlein, teils hilflos Pirouetten zu drehen. Eine sehr, sehr schöne Erfahrung, die viel Spaß bereitete. Wenn man schon in Österreich ist, sollte man auch mal ausgiebig Walzer tanzen. Als nächster Part stand eine meiner Lieblings-Disziplinen auf dem Programm.

Slalom war schon immer mein Ding, dachte ich zumindest… Also ordentlich beschleunigen, links, rechts, links, rechts,… wow ich bin gut im Takt. Voller Stolz lasse ich meinen V8 blubbernd ausrollen, um in diesem Moment abrupt aus meinen Träumen gerissen zu werden. Aus dem Funk krächzt es mit dem mir so sympathischen steierischen Dialekt: „ Ah geh…, do geht fei schon no a Weng mehr“. Puh, harter Tobak! Zum Glück hat in dem Moment keiner meine großen Augen gesehen.Also zurück zum Start. Ist es plötzlich so warm oder hatte in der Frühe mein Deo vergessen?

Geschwind hab ich noch die Sitzbelüftung aktiviert und die Klimaanlage gefühlt auf Stufe Sahara erhöht, um später nicht mit feuchtem Shirt aussteigen zu müssen. Um ultimativen Halt zu erzielen, puste ich noch schnell die Seitenpolster meines Sitzes weiter auf. Mein G steht scharrend und grummelnd in den Startlöchern. Mir schießt der Gedanke an einen Jockey durch den Kopf, der bis in die Haarspitzen angespannt, mit seinem Rappen in der Startbox zum großen Preis von Baden-Baden steht. Schon bekomme ich das Go. Ich nehme all meinen Mumm zusammen, blas meinen schwarzen 63er auf und gebe ihm die Zügel. Ich habe meinen Speed erreicht, jetzt volle Konzentration, nur noch fünf Meter bis zum ersten Schlenker. Wedeln, wedeln, wedeln… wie g…, sorry für diesen Gefühlsausdruck!

Jaaa, ich bin durch. Es dauert nicht lange, schon meldet sich der Funk mit einem anerkennenden „Wow, gut gemacht“. Geht doch, mein Weltbild ist für den Moment wieder gerade gerückt. Okay, der allerletzten Pylone hab ich etwas weh getan, aber vielleicht ist sie auch einfach nur in suizidaler Absicht vor meinen G gesprungen. Apropos Überleben: In Graz haben Elche offensichtlich gute Chancen alt zu werden. Nach einer kurzen Kaffeepause im Hangar stand der erste Wechsel an. Wieder konnten wir uns die Autos aussuchen. Ich entschied mich diesmal für einen 400er Diesel, da ich dieses Antriebs-Aggregat bis dato noch nicht kannte. Jetzt ging es Berg auf und Berg ab, auf losem Untergrund, Felsen, Schotter und das bei Steigungen von 80 bis 85 %. Hier erwies sich unsere eingangs erwähnte Konstellation eines kleinen Zweierteams erneut als Volltreffer, für die ich Thomas nur danken kann.

Wir hatten alle Zeit der Welt, konnten nach Herzenslust testen und alles mehrfach fahren. Nachdem unser Instruktor erkannt hatte, dass wir schon einiges an Erfahrung mitbringen, zeigte er uns als Schmankerl noch ein paar weitere Wege der Kategorie Heavy-Duty. Begeistert hat mich auch die Rundumkamera.Zur Mittagspause wurden wir im bereits bekannten Hangar, mit einem sehr leckeren, sowie stilecht dekorierten Menü verwöhnt. Selbst das Mineralwasser stand in einer Onroad- und Offroadversion zur Verfügung. Das Offroadwasser hatte Kohlensäure und prickelte….. Mir war sofort klar warum, denn nur Offroad im G prickelt. Nach der Tischzeit wechselten wir zum letzten Modul, dem Schöcklwald. Er ist ein Nachbau des legendären Berges, verbunden mit Sektionen, in denen die Grenzen bis zum Maximum ausgelotet sind. Als beeindruckend und eine geniale Idee empfand ich in der Verschränkungs-Passage den riesengroßen Spiegel, der auf der Fahrerseite aufgestellt ist.

Aus Sicht der Fahrers blickt man direktauf das eigene Hinterrad, das sich spektakulär vom Boden abhebt. Der Parcours ist gespickt mit allem, was zu einem interessanten Offroad-Bereich gehört. Sehr beeindruckend ist natürlich auch die Erfahrung einer Schrägfahrt mit 35 Grad am absoluten Limit.

Wer von uns, außer eventuell den Trial-Wettbewerbsfahrern, geht schon freiwillig an die maximal machbare Grenze und riskiert bei leichtem Überschreiten eine stabile Seitenlage?Felsen, Matsch und Wasser-Durchfahrten in verschiedenen Tiefen bis zu 1,00 Meter dürfen hier natürlich nicht fehlen.

Ein nettes Gimmick ist die Schlucht-Überquerung auf einer Holzbrücke. Sie trägt den Namen „Otto“ und ist als liebevolle Hommage an den gleichnamigen, legendären G des bekannten Weltenbummlers Holtorf gedacht. Nach einer Erfrischung war ab jetzt freies Fahren mit einem G nach Wahl angesagt, um dieses dann in aller Ruhe auf dem Gelände testen. Ich habe mich erst mal wieder für den G 63 entschieden und bin noch ein paar heiße Speed-Runden gefahren. Natürlich musste ich mir auch noch mal den 6×6 gönnen. Es ist fast schon erschreckend, wie souverän und mit stoischer Ruhe er im besseren Standgas die Steilhänge erklettert. Kein Scharren, kein Kratzen selbst auf losem Untergrund. In Gedanken spiele ich schon durch, welchen Gipfel ich damit bewältigen könnte. Spontan fällt mir hier ein alter Werbe-Slogan ein: Technik, die begeistert.Zum Abschluss gönnte ich mir noch das Landaulet, aber bitte in 2 Reihe! Sich einfach mal gediegen chauffieren lassen hat schon einen charmanten Flair. Zum Abschluss des Tages konnten wir noch eine sehr ausgefallene Fahrt mit dem Centerleiter Marc genießen. Die schnelle Schöckl Runde im bekannt klassischen Testmodus-Tempo. Der Griff für den Beifahrer hatte hierbei mal wieder seine Berechtigung, denn es ging mit Vollgas, im Drift um die Kurven und mit Sprüngen der G-Klasse zur Sache, beeindruckend. Als kleines Schmankerl stand im Anschluss noch die 100% Auf- und Abfahrt über die Stahlrampe aufdem Programm. Was soll ich sagen? Man muss es erleben, mit der „Stairway to Heaven“ nach oben und nach unten endete ein wirklich sehr adrenalinhaltiger und eigentlich unbeschreiblicher Tag im Experience-Center Graz.

Ein Fazit gefällig? Das muss jeder G Fahrer mal gesehen und erlebt haben…….

G-Class Experience Center Graz